Leseprobe "Entsorgte Zeugen"
Sie lachte laut heraus. "Ein glücklicher Beamter. Was für eine Freude endlich einmal einen glücklichen Beamten zu sehen. Warum schmeißt du den ganzen Mist nicht hin und machst etwas anderes?"
Das war eine gute Frage. "Genau das frage ich mich auch schon eine geraume Zeit. Aber was soll ich dann tun? Privatdetektiv? Detektei Wolle Eichen, rufen Sie an und das Verbrechen wird weichen. Eine gute Idee. Ich werde darüber nachdenken." Eine kurze Weile herrschte Schweigen, bis mein Handy die Stille förmlich zerriss. Es war die Einsatzleitstelle die mich nach Ripsdorf schickte, weitere Informationen und Anweisungen später über Funk. "Sorry, ich muss leider weg", rief ich, als ich mich schon umgedreht hatte und im Laufschritt den Berg hinunter unterwegs war. "Schade", rief sie mir nach, "ich bin übrigens die Mareike, es war schön dich kennenzulernen!"
Ich hatte über einen Kilometer zu laufen, bis zu meinem Wagen, und meine Kondition war mit der eines Zwerghamsters vergleichbar. Außerdem machten mir die in Köln erworbenen Blessuren ordentlich zu schaffen. Zum Glück ging es nur bergab. Ich erreichte meinen Wagen vollkommen ausgepumpt. Meine Lungen brannten, mein Herz raste und der Puls schien meine Adern zu sprengen. Ich musste erst eine kleine Pause machen, bevor ich überhaupt in der Lage war, die Türen aufzuschließen. Mit zittrigen Händen startete ich den Wagen und machte mich in Windeseile nach Blankenheim auf. An ein Funkgespräch war noch nicht zu denken, mir stand definitiv noch nicht genug Atemluft zur Verfügung.
Ich fuhr auf die B 51 und gab Vollgas, was mich mit meinem Edelflitzer immerhin auf eine Geschwindigkeit von 150 km/h brachte. In Höhe der Ortschaft Dahlem nahm ich endlich mein Funkmikro in die Hand und meldetet mich bei der Zentrale. "Bin auf der B51 Ausfahrt Dahlem, was gibt es in Ripsdorf?" "Hallo Kollege", tönte es aus dem Lautsprecher, "wir haben einen versuchten Selbstmord, reine Routineangelegenheit. Adresse: Ripsdorf , Hauptstr. 101, bei Familie Fischer. Streifenkollegen und Notarzt sind vor Ort, also keine Eile."
Vor Schreck hätte ich beinahe das Lenkrad verrissen. "Was?", brüllte ich in das Mikrofon, "Hauptstrasse 101? Sagt den Kollegen Bescheid: Nichts anfassen, alles so lassen wie es ist. Ich bin in 15 Minuten vor Ort."
Das konnte nicht sein, nicht Maria Fischer, niemals. Ich holte alles aus der Kiste heraus, was sie herzugeben bereit war. Zu dumm dass ich vorher nicht nachgeschaut hatte ob das Fahrzeug über ein Magnetblaulicht und eine Sirene verfügte. War mir jetzt aber auch egal. Ich nahm mir meine Vorrechte einfach ohne. Wie viele geballte Fäuste und Vögel ich bis nach Ripsdorf gezeigt bekommen habe, vermag ich absolut nicht zu sagen, aber es war mir auch egal. Rücksichtslos bahnte ich mir meinen Weg. Es war einige Male sehr knapp und der heilige Christopherus musste Überstunden schieben, um mich heil nach Ripsdorf zu bringen. Bei meinem Eintreffen brauchte ich nicht lange nach Haus Nr. 101 suchen. Ein Polizei- sowie Notarzt- Feuerwehr- und Krankenwagen, die in einem Hof standen, sagten mir genug. Mein lieber Scholli, was für ein Aufgebot.
Als ich aus meinem Wagen sprang, kam mir schon ein uniformierter Kollege entgegen. "Hallo Kollege, freue mich, Sie zu sehen. Kommen Sie herein, ist eine schlimme Sache. Alkohol, Gas, Tabletten. Sieht nicht sehr gut aus."